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Stockholm 2008
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Stockholm 2008
28.05.2008 von bruno
Roslagen und Åland 2008
Inselhüpfen
Ein kleiner Blog zur Reise vom 26. Mai bis 10. Juni 2008.
Eine Auswahl Bilder dazu in der Galerie . Im Nachhinein hätte ich die einzelnen Albuen vielleicht etwas unterteilen sollen. Aber diese Arbeit spare ich mir momentan. Kommentare zu den Foto bitte auch gleich hier rechts in den Artikel.
10. Juni 2008 Heimreise
Die Rückgabe des Mietwagens gestaltet sich äusserst problemlos. Die Dame ist nicht mal um den Wagen gewandert. Auf einen Abrechnungsbeleg muss ich aber dennoch bestehen. Will ja auf Grund der Onlinebuchung nicht irgendwann eine unzuordenbare Abbuchung unbekannter Grösse auf meiner Kreditkartenabrechnung vorfinden.
Kurz mit dem Shuttlebus rings um die Flughafenstrasse zum Terminal 5 gibts dann nach dem Checkin auch noch einen Kaffee mit Stückchen zum Frühstück. Die Dame gegenüber muss eine längere Reise in Aussicht haben. Geniesst sie doch ein pampiges Zimtbrötchen und meint, dass es lange gehen werde, bis sie das zurück haben werde.
Der Rückflug ist wirklich interessant. Ausser über dem Innenland von Schweden bietet klare Sicht bei Start, unterwegs auf alle Küsten und auf gesamt Deutschland, bis hin zur Landung in Zürich viel zu sehen. Die in die Kabine mit gebrachte Lektüre bleibt die meiste Zeit ungenutzt liegen. Und falls der etwas ungehaltene, deutsche Herr vom Hinflug mit der SAS das liest: Bei Swiss gibts eben doch ein Sandwich und ein Getränk. 
9. Juni 2008 Uppsala
Weiter gehts heute zuerst zum lokalen McDonalds. Ich muss schliesslich was frühstücken. Auch wenn alles amerikanisch ist, bei Mäck gibts kein richtiges Breakfast. Nur Kaffee und Käse-/Schinken-Sandwich im Sonerangebot. Nehmen wir halt das. - In Örsundsbro will ich einen Zwischenhalt einlegen. Dieser reicht dann auch mit der Eingabe eines nächsten Zieles ins Navigationsgerät. Mehr als zwei Bushaltestellen hat der Ort leider nicht zu bieten.
Unmittelbar am Ortseingang von Uppsala mache ich gleich einen längeren Stopp bei der Infotafel. Die Stadt ist relativ gross und so gebe ich gleich die markanten Punkte in den Speicher des PDA. Dies vereinfacht im Anschluss die Sache im Alleingang doch erheblich. Das erste Ziel ist jedoch ein Flop. Mit "Garnison" war nicht irgend was altes aufzufinden, sondern schlicht die örtliche Kaserne. Also gehts weiter in die Innenstadt. Ich fahre drei Parkplätze an. Diese kosten alle drei Franken in der Stunde und ich habe nicht so viele Münzen. Also stelle ich beim etwas entfernteren Fastfood-Restaurant ab, dessen Marke ich bereits einige Male genannt habe. Uppsala muss wirklich ein markantes Parkproblem haben. Selbst dort ist die Parkzeit auf eine Stunde vorgegeben. Jetzt muss ich halt was riskieren und drehe die Scheibe, statt auf die nächste halbe, gleich auf die ganze Stunde vor. So früh am Vormittag werden die, falls überhaupt, kaum kontrollieren. Gemütlich schlendere ich also in die Fussgängerzone.
Es ist dermassen heiss, der Wind bläst hier nicht so dolle. Ich genehmige mir einen Becher Eis mit zwei Kugeln. Uppsala ist aussenrum gross, doch hat es auch die typische Innenstadt am Kanal. Dieser liesse sich bis weit ausserhalb durch Parks erwandern. Ich kehre jedoch irgendwann zum Wagen zurück und fahre die Shoppingmeile an, die ich vorgespeichert hatte. Das sieht genau so aus, wie für Västerås: Elektronisch sehe ich Expert (wie Fust), wiederum PC City und sogar noch einen, dessen Namen ich bereits wieder vergessen habe. Lidl und Baumarkt gibts natürlich auch hier. In einem Laden frage ich spontan, obs denn auch einen Pizza Hut gäbe. Mir ist grad nach Pizza. Man verneint und verweist an einen anderen Pizzaladen. Ich fahre mal hin, zu Fuss wäre erstens unamerikanisch und zweitens viel zu weit. Der ist nämlich am anderen Ende hinter Ikea. Der Tipp hat sich gelohnt, die Pizza war nicht nur riesig, sondern auch richtig gut.
Ich fahre in den Süden weiter. Dort habe ich mir eine Stelle ins Navi geklickt, wo man über eine Brücke über den Kanal fährt. Ich wollte wissen, wie der dort aussieht. Der Kanal ist hier einiges breiter, die Brücke eine verschiebbare für den Schiffsverkehr. Es muss sein, dass man anderswo auf die andere Seite gelangen kann. Die Brücke schien einige Dekaden nicht mehr für den Strassenverkehr ausgefahren worden sein. Ich musste auch gar nicht unbedingt rüber. Entlang des Kanals sind Informationstafeln fürs Naturreservat aufgestellt. Darauf sehe ich, dass weiter laufabwärts eine breite Stelle, wie ein See war. Irgendwas wie ein Hochstand eingezeichnet. Ich lasse also den Fabia stehen und wandere teils durch hohes Gras, teils auf einem Stelzenweg einen Saumpfad entlang. Ich komme also an, und es stellt sich mehr als eine Art Terasse für den ornitologischen Wildbeschau dar. Man sitzt so dort wie in "Out of Africa". 
Auf der weiteren Fahrt kommt man auch an einigen Gehöften vorbei, wo riesige Pferdeweiden angelegt sind. Ich bin unterwegs nach Balstå. Diesen Umweg hätte ich mir sparen können. Dort gibt eine Ortschaft mit einer vergleichbar kleinen Einkaufspassage. Ich drehe um und will langsam Richtung Flughafen meine Nachtstätte anfahren. Trotzdem mache ich noch Halt in Sigtuna. So im Blick auf der Karte dachte ich mir immer, irgendwas in der Anflugschneise von Arlanda. Mitnichten! Wenn ihr mal etwas zu früh für euren Flug vor Ort seid, unbedingt dort rein fahren. Liegt total hübsch am See und hat etwas erhöht eine ganz alte Gågata mit niedlich kleinen Rothäuschen. Darin nette Geschäfte und Cafés.
So jetzt also wie geplant ins Radisson SAS gleich gegenüber dem Mietwagendepot. War ich Enköping rückwarts wieder raus, hier mit einem riesen Luftsprung: SEK 1790.-! Das sind ja so CHF 340.- um den Dreh. Die spinnen wirklich - und das mit Kerosingeschmack. Für dieses Geld fahre ich noch etwas rum. Hatte glaub in der Anfahrt was gesehen. Eigentlich hätte ich dann gleich heute noch den Wagen zurück gebracht, aber das muss morgen noch reichen. Dann füllen wir den Tank auch grad noch, damit das erledigt ist. Ich frage gleich dort, obs denn hier auch was anderes gibt. Das Pummelchen verweist mich an ihre Kollegin, die sei von der Gegend. Die hübsche Blondine (komisch, von denen hats hier aber wirklich viele) zeigt sich äusserst hilfsbereit und fragt sogar, was mir denn so vorschwebe. Ich erwiedere bloss, dass mir etwas günstiger recht wäre. Sie kennt da jemanden, der evt. was habe un bietet gleich an, dort anzurufen. Ich bedanke mich und schon klemmt sie mir den Hörer ans Ohr. Ich spreche mit dem Besitzer und denke so, na ja so privat B&B, warum nicht nochmals.
Als ich dann vor Ort ankomme bin ich echt überrascht: Zwar ein Barackenbau wie vieles, aber nigelnagel neu. Selbstverständlich nicht fertig. Hier und da helfen Plastikfolie und Duckt-Tape, aber das tut dem ganzen keinen Abbruch. Dusche, Zimmer, alles neu und sauber. Für umgerechnet CHF 90.- sogar inkl. Bettwasche und riesigem Handtuch. Wie in Schweden üblich versteht sich Rum och Frukost als Zimmer mit Frühstück, das man sich in der vorhandenen Küche selber mitbringen und zubereiten darf. Abendessen zu Fuss beim Italiener, etwa 300m entfernt.
8. Juni 2008 Kungsör, Köping, Hallstahammar, Västerås, Enköping
Nach dem Frühstück fahre ich zuerst noch etwas Richtung Nord, bis ich wieder am See ankomme. Langsam wiederholt sich die schöne, wenn auch immer wieder gleiche Szenerie. Irgendwie habe ich den einen oder anderen Sandstrand der Mälarenregion jetzt dann bald gesehen und erhoffe mir etwas Neues. Kungsör ist dann auch schnell durchfahren. Das einzige was ich sehe, parallel je eine Drehbrücke für Strasse, wie für die Schiene.
In Köping hats einen Kanal, der sich durch die Stadt schlängelt. Dieser ist jedoch ziemlich dunkel in der Farbe. Da haben wir auch schon schöneres gesehen. Die Fussgängerzone hat zwar viele Geschäfte, es ist jedoch Sonntag. So fahre ich noch ein bisschen weiter. In Hallstahammar finde ich zuerst das Zentrum mit vermeintlich Interessantem gar nicht. Nach dem Umdrehen stellt sich jedoch heraus, dass der Kanal durchs Industriegebiet der Punkt ist. Dort finde ich zuerst eine erste Schleusenstufe mit drei Toren durch diese gerade ein Boot geführt wird. Es sind kleine Schleusen in diesem nicht all zu breiten Kanal. Sie werden vollständig von Hand bedient. Jedoch ist der Hub beträchtlich und scheint bei einigen Toren mehrere Meter zu betragen.
Ich beschliesse, den Kanal noch etwas weiter laufaufwärts zu begehen. Dabei entdecke ich alsbald eine Informationstafel, auf derer hinter einem breiteren Teil des Kanals weitere Schleuspunkte verzeichnet sind. Es ist ein richtiger See, etwa einen drittel so gross wie der Rotsee bei Luzern, der es zuerst zu umwandern gilt. Ich habe ja Zeit, hätte auch den Wagen nehmen können. Aber bei dem Wetter natürlich nicht. Der sich parallel zum Kanal befindende Wasserlauf wird tatsächlich zur Stromproduktion genutzt. Mein Rückweg ist sogar noc etwas länger, weil ich natürlich die andere Seite des Kanals verwende und der See dort weiter zum umgehen ist. Das ganze wird bei einer Sandwich- und anschliessender Kuchen zum Kaffee-Pause in einem schönen Café aufgelockert. Das Aussenthermometer zeigt 27°C. Jenes innen im Lokal ebenso viel.
Die weitere Fahrt führt nach Västerås. Eine ganz andere Welt! Das ist eine richtige Grossstadt. Gut - nicht so gross wie Stockholm, aber das Flair einer amerikanischen Stadt hat sie schon. Es hat sogar einen richtigen Wolkenkratzer. Ob des mageren Mittagessens nach der Wanderung hole ich mir sechs Chicken Nuggets im Downtown McDonalds. Weiter gehts auf dem Interstate, was sehe ich da links? Ein riesen Einkaufsgebilde, schnell abgefahren und angeschaut. Das ist wirklich wie in Amerika aufgebaut: Verschiedene Malls, riesige Parkplätze dazwischen, die über ein kleines Strassennetz verbunden sind. Ich fahre dem blauen Gebäude mit gelbem Schriftzug entlang. Ich glaube, das dürfte der grösste IKEA sein, den zumindest ich bisher gesehen habe. Natürlich hats auch einen riesen ICA-Supermarkt, wiederum einen McDonalds und sogar einen Pizza Hut. Fürs Abendbrot ists aber noch zu früh. Beim PC World schaue ich aber dennoch kurz rein. Etwa gleich gross und ähnlich ausgestattet wie bei uns ein Media Markt. Gut, es ist wirklich ein PC-Laden, keine Haushaltgeräte, dafür aber auch PC-Komponenten. Das wichtigste: ein halbes Dutzend Bediener und ich der einzige Kunde. Ach ja: immer noch Sonntag.
Es geht also weiter nach Enköping. Da will ich mich ins First Hotel von vor zwei Jahren einchecken. Die verlangen aber neuerdings gleich umgerechnet fast CHF 240.-! Da muss ich förmlich rückwärts wieder raus. Die Dame am Empfang gibt mir auf Anfrage noch eine Adresse zu einer günstigeren Unterkunft mit. Die Hausnummer zu dieser finde ich jedoch nicht. Ich schaue mir das Hotelschiff im Kanal an, überlege mir danach jedoch, das STF Vandrerhem ausserhalb aufzusuchen. Das stellt sich als gar nicht so schlecht dar. Es ist wieder ein Campingplatz, wieder mit separatem Zimmergabäude. Hier wird jedoch kein Hotel geboten. Trotzdem gibt man mir gleich eine Viererschlag für umgerechnet gut 40 Stutz. Da frage ich doch gar nicht erst nach Frühstück. Das Bettzeug hat das Blondchen (ja, ich bin in Schweden) glaub vergessen, dazu zu rechnen. Hier ist ein richtiger Strand, so mit Sand und so. Die Rezeption ist gleichzeitig Restaurant mit anständiger Auswahl. Ich bestelle gleich was zur Nacht. Ist schliesslich bereits nach sechs. Einheimische Hausmacherkost: So eine Art Rösti mit Spiegelei und Schinkenwürfel. Hiess natürlich komplett anders. Aber inzwischen hat der Wind stark zugelegt, ein richtiger Sturm. Der Himmel hat jetzt auch Wolkenschlieren. Ob das Wetter noch lange anhält?
7. Juni 2008 Mariefred, Stallarholmen, Strängnäs, Eskilstuna
Heute sind Sehenswürdigkeiten am Laufmeter angesagt! Bereits nach der Losfahrt will mich Theodora (für alle dies nicht wissen: der von mir der weiblichen Navistimme verliehene Spitzname) nicht mehr auf die E20 schicken. Gut so. Und schon flitzt der erste Wegweiser vorbei: "Slott..." irgendwas. Ein langer, gerader Highway, da kann man schnell einen U-Turn durchführen. Ein Umweg von einer schwedischen Meile. Am Ende stellt sich zwar heraus, kein wirkliches Schloss. Mehr ein Anwesen, das ein Restaurant ist. Dieses hat allerdings noch geschlossen, macht erst am Mittag auf. Spielt keine Rolle, das Frühstücksbuffet war eh üppig. So kann ich ungestört etwas filmen. Nebenan bringen zwei Typen ein kleines Dampfschiff in Gang. Solange ich vor Ort bin, bleibt es jedoch am Steg. Vielleicht warten die noch auf Gesellschaft.
Mariefred ist bekannt für Schloss Gripsholm. Dass es dort auch noch eine Eisenbahn mit nicht mal einem halben Meter Spurweite hat, wusste ich jedoch nicht. Zufälligerweise heute ist der ganze Ort abgeriegelt und man will mich für umgerechnet vier Franken auf der Wiese parkieren lassen. Das lehne ich dankend ab, fahre etwas weiter und lasse mein Kistchen beim örtlichen ICA stehen. Da bin ich wohl nicht der einzige. Das ist halt wie in der Schweiz: Auswärtige abzocken! Beim Bahnhof spielt eine Blasmusik auf. Ich komme vom Schloss zurück und filme die Ausfahrt des Kleindampfzuges. Der befährt sogar zwei automatisch auflösende Bahnübergänge. Im Ort selber das bekannte Bild: Überall Stände, Kneipenbetrieb, Musik. So feiern halt die Schweden. Das ist gut so.
Ich will weiter nach Stallarholmen, dort auf die Inseln übersetzen. Eine lange Schlange mit wartenden Autos durch den Ort verheissen nichts gutes. Da es nach Navi nur mehrere hundert Meter bis zum Ufer sind, stelle ich den Wagen in einen Seitenweg und gehe zu Fuss weiter. Ein paar entgegen kommende Einheimische angehaut, es soll bis drei Uhr gehen, bis die Drehbrücke repariert sei. Es ist aber noch nicht mal Mittag! Ich erreiche die Brücke eben, schon dreht sie sich wieder. Der Brückenwärter hat es irgendwie hingekriegt. Ich gehe auf die andere Seite. Dort ist nichts besonderes, ich hatte bereits schönere Gegenden gesehen. So beschliesse ich, die andere Seite gar nicht erst zu befahren. Ich könnte ja sogar auf der Insel hängen bleiben.
Strängnäs ist ebenfalls ein bezaubernder Ort. Die Häuschen in der Altstadt sind hübsch klein. Es hat sogar einen Crêpes- und Waffelnstand. Letzteres war dann meine kleine Mittagstärkung. Weiter auf den Weg nach Eksilstuna. Ein Umweg über Björsund liegt drin. Hätte ich mir aber schenken können. Der Weg selber geht durch kleine Bauerndörfer und riesige Felder. Da kann man die 70-km/h-Beschränkung auch mal etwas auflockern und wird trotzdem von einheimischen überholt. ;-) Der Zielort des Umweges war aber den Aufwand wirklich nicht Wert, die Brücke über den Sund unspektakulär.
Endlich in Ekslistuna muss ich feststellen, dass das wirklich eine Stadt ist. Einzig im Zentrum ist es nett, die Fussgängerzone ansprechend. Mehr nicht. Ich entscheide mich für die Hotelübernachtung beim Campingplatz ausserhalb. Dieser ist im Gebiet mit Sportanlagen, Freizeitpark und bietet ein grösseres Gebäude mit Herberge und eben Hotelzimmer, die ein wenig günstiger sind.
Ich fahre nochmals ins Zentrum. Beim weiteren herum schlendern in der Fussgängerzone flitzt eine Polizeipatroullie im Einsatz vorbei. Später höre ich eine zweite von woanders her anfahren. Ich gehe um ein paar Ecken und sehe die Beamten um ein Person versammelt, die mit dem Bauch auf dem Boden liegt. Das scheint mir nicht die optimale Stimmung für einen Spaziergang und so nehme ich die nächste Gasse. Später sehe ich die zwei Wagen wegfahren. Später finde ich ein nettes Restaurant mit mexikanischem Essen. So gibts heute bereits um halb sechs ein verfrühtes Abendessen.
Im Holzgebäude des Hotels ist es jetzt natürlich schön warm. So geniesse ich draussen im Schatten zwei Tassen Kaffee. Abends wird es jedoch immer schön angenehm kühl und so kann ich schön bei offenem Fenster diese Zeilen schreiben.
6. Juni 2008 Drottningsholm, Södertälje
Auch übers Internet hatte ich zwar erfahren, dass an Sonn- und Feiertagen keine City-Maut anfallen würde. Dennoch wollte ich gar nicht mehr in die Innenstadt. So fuhr ich also, mit genauen Anweisungen des Navi, Richtung Südwesten. Dabei habe ich den Weg von 2006 geschnitten, wo wir uns wegen Ausfalles desselben in der Tanke einen Stadtplan kaufen mussten.
In einer kleinen Fussgängerzone von Ekerö gibt es einen Kaffeehalt. Über eine Zwischeninsel erreicht man Drottningsholm. Dort sind aber heute am Nationaldagen keine Royals zugegen. Diese halten traditionsgemäss in Skansen auf der Insel Djurgården ihre Festivitäten ab. Trotzdem findet im Schlossgarten ein Konzert und eine Wachablösung statt. Für ersteres war ich zu früh am Morgen dran. Die Musiker trafen gerade ein. Ich fahre derweil noch auf eine Nachbarinsel. Eine Stelle ist wiederum nur Villengebiet, wo man mich nirgedwo ein Ufer erreichen lässt. Anderswo treffe ich auf einen Park und spatziere etwas rum, filme die eine oder andere fette Motorjacht, die vorbei knattert. Später navigiere ich weiter Richtung Süden. Dabei gerate ich als Abkürzung auf eine weitere Vägverkets-Fähre (eben diese gelben Verlängerungen der Landstrasse). Komischerweise kostet diese nun aber plötzlich doch was - umgerechnet knapp zehn Franken.
Ein nächster Halt ist Södertälje. Hier sind überall Festivitäten im Gang: Ein Konzert hier, Verkaufsstände dort. Ich wandere ein bisschen herum und fahre etwas weiter Richtung Westen. Ausserhalb hat es ein Vanderhem. Doch ist dort niemand zu erreichen. Ich schaue mir die Gegend dort an. Es sind überall kleine Häuschen am Ufer, vergleichbar mit den sog. Schrebergärten bei uns. Es hat aber keine Gärten, sind eher Ferienplätzchen.
Da auch später niemand in der Herberge ist, entschliesse ich mich, nach Södertälje zurück zu fahren. Dort fahre ich das örtliche Scandic an. Als ich mich nach dem Preis erkundige, meint die Dame an der Rezeption, dass evt. das Hotel in der Innenstadt etwas günstiger sei. Tatsächlich umgerechnet acht lächerliche Franken weniger. Diese werden allerdings auf der Rechnung am nächsten Tag locker als Parkgebühren wieder auf die Rechnung geklatscht.
Abgesehen davon ist diese Stadt gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Zuvor wusste ich von Radio Schweden nur, dass es dort ein Ausländerproblem geben soll. Klar, überall in den grösseren Orten sieht man Leute aller couleur. Aber das ist doch überall so. Hatte ich oft gerade diese Leute nach Weg und Übernachtungsstätten gefragt und immer nette Hilfe erhalten. Södertälje bildet Verbindung von Mälaren zu Östersjon. Im Moment hatte die Schleuse gerade einen Hub von etwa 20cm zu bewältigen.
5. Juni 2008 Ljusterö
Also bereits mal fürs Rückreisen üben: Im Cityterminalen kurz etwas frühstücken. Dann mit dem Flygbussarna zurück nach Arlanda. Der Flughafen ist derart verzettelt angeordnet, dass man vom internationalen Terminal 5 einen Shuttle-Bus zur Mietstation nehmen muss. Darin wurde sich nur Zürichdeutsch unterhalten.
Mit dem Navi plane ich mir eine indirekte Route zur Schäreninsel Ljusterö. Ich hatte mir nach Vaxholm mal überlegt, dort mit dem Bus hin zu gehen. Das würde so als Rucksackturist vielleicht gehen. So bin ich halt statt dessen darauf herum gefahren. Ich kann froh sein, das so gemacht zu haben. Mit dem Bus hätte ich mich höchstens an einen Punkt hin fahren lassen können und das wäre bei dieser Insel tatsächlich sinnlos gewesen. Grosse Teile sind wirklich private Grundstücke, keine sich-herumtreiben-Gebiete. Nahe der Südwestspitze bei Linanäs gibts nicht nur die einzige Strandzone, sondern auch eine Kneipe, die mit Hembaggeri angeschrieben ist. Drinnen bekomme ich allerdings nur das zu hören, wie überall sonst: Morgen machen wir auf. Für einen Kaffee hats dann doch noch gereicht.
Wieder zurück auf dem Festland fahre ich etwas weiter Richtung Süden, bis ich in Täby, unmittelbar beim Busumsteigepunkt Roslagens-Näsby vom 30. Mai im Scandic für schlappe CHF 150.- nächtige. Fürs pompöse Restaurant reichts dann doch nicht und so gibts um 18.00 Uhr noch eine kleine Autorundfahrt zur Küste. Auch dort nur Villen reicher Stockholmer, aber dann doch ein Thai-Restaurant zu anständigen Preisen. Ach ja, in Schweden kostet wirklich alles genau gleich viel wie in der Schweiz - ausser dass es bei ICA noch keine wirklich günstige Budget-Linie gibt. Zurück ins Hotel waren das dann 148km für den heutigen Tag. Der kleine Skoda rechnet per Bordcomputer wirklich alles aus und hat Sitzheizung. Was für ein Witz bei 26°C! Montag soll es aber dann doch schon regnen. Mal schauen...
4. Juni 2008 Stockholm
Der heutige Morgen war etwas traurig. Hatte ich doch das kleine Åland in mein Herz geschlossen. Auch Peter, der Boss vom Vanderhem, konnte mich nicht mehr aufhalten, in dem er ab der letzten Nacht nur noch den halben Preis verlangt hatte. Denn hatte ich mit dem Mietwagen so viel gesehen, dass ich ruhigen Gewissens aufs Festland zurück wechseln konnte. Im Vorfeld hatte ich mir ja dazu einige Varianten ausgedacht und, ach ja richtig, wäre der Åland-Aufenthalt ja auch erst am Ende meines Urlaubs geplant gewesen. Diese Grobplanung sah aber auch einen Drittel schlechtes Wetter vor. Meiner Ansicht nach eine optimistische Einschätzung, die sich bis jetzt allerdings nicht im gernigsten bewahrheitet hat. So bleibt mir also nichts weiter, als bereits gestrichene Teile meines Urlaubs wieder aufzunehmen. Das geht so...
Am einfachsten und schnellsten auf dem gleichen Weg zurück wie gekommen. Mit der Viking Line nach Kapellskär und mit dem Bus mit kurzem Zwischenhalt in Norrtälje direkt nach Stockholm, Cityterminalen. Doch jetzt kam der beschwerliche Teil. Obwohl in der deutschen Wikipedia noch immer steht, der Nationaltag sei für die Schweden weitgehend unbedeutend, mitnichten! Smaka på Sockholm, festival ist ein riesen Strassenfest im Kungsträdsgården zwischen dem Turistenbüro und Skeppsbron. Dort haben Restaurants und andere Unternehmungen Stände eingerichtet. Das ganze dauert von heute bis zum Wochenende. Das Resultat: Keine Übernachtungsmöglichkeit. Nachdem ich auch halb Södermalm abgelaufen und selbst im vom mit nacktem Oberkörper im Comicheft-Laden arbeitetenden Rocker Tipps habe geben lassen, habe ich es dennoch in Gamla Stan probiert. Übernachtungen mitten in der Innenstadt sind teuer und so kann ich nun für hundert Stutz im STF Vandrerhem unmittelbar am Stor Torget nächtigen. Richtig, um die Ecke ist das Nobel-Museum. Zuerst wollte man mich in einer Art Besenkammer unterbringen, die jeweils als letzte Möglichkeit vergeben wird. Angeblich, bevor man unter Brücken verweise. Und von denen gibts hier ja fast keine. Die Lüftung war gerade im Umbau, und so ging ich fragen, ob das denn die ganze Nacht so warm bleiben würde. Schlussendlich konnte man mich nach einer nicht erfolgten Zusage anderer in ein Zimmer umquartieren, das jetzt sogar Fenster hat. Allerdings zum Innenhof der benachbarten Pizzeria. Aber man ist ja voll flexibel.
Was gehört denn nun weiter zum Gestrichenen? Im Zimmer hats Wireless LAN und so habe ich mir für morgen online einen Mietwagen für die verbleibenden fünf Tage reservieren lassen und werde damit die Mälaren-Gegend anschauen gehen.
3. Juni 2008 Åland
Da es immer erst um acht Uhr Frühstück gibt, hole ich mir den vorgestern erkundigten Mietwagen bereits vorher ab. So kann ich um halb neun gleich starten - habe mir viel vorgenommen. Zuerst fahre ich Richtung Nordosten los, auf die Insel Vårdö zum Fähranleger der Nordroute in Hummelvik. Dazu muss sogar eine kurze, gelbe Kabelfähre in Anspruch genommen werden. Dort angekommen schaue ich ein wenig zu, wie der ganze Umschlag für Brändö und die anderen abgelegenen Inseln vor sich geht. Ach ja, dort hin selber zu fahren machte es wirklich notwendig, ein eigenes Auto bei sich zu haben. Den Mietwagen mehrere Tage mit sich zu führen und dennoch die Überfahrten mit zu bezahlen wäre ein kostspieliges Vorgehen.
Weiter gehts nach Norden. Dort gibt es abgesetzt die Simskäla-Inselgruppe. Diese wären wiederum mit einer weiten Kabelfähre zu erreichen. Diese hat jedoch am Mittag Auftankpause. So bleibe ich eine Weile beim Anleger und drehe wieder um. Trotzdem hat sich die Fahrt hierhin bei weitem gelohnt. Die verzettelten, kleinen Inselchen lassen die Gegend wie die Florida Keys wirken. Ausser, dass einem eine frische Nordbrise ins Gesicht schlägt. Der Pulli bleibt aber aus Prinzip im Rucksack!
Am östlichen Ende der Insel Sund muss man sich unbedingt die Ruine Bomarsund anschauen. Aber nicht nur wegen der Ruine, auch wegen dem kleinen Restaurant. Hier fegt der Wind nicht und so kann man sich im Gartenrestaurant gute, örtliche Hausmannskost zu Gemüte führen.
Jetzt gehts wirklich in den Norden. Zurück in Godby biege ich rechts in die Gegend nach Geta ab. Da oben ist aber wirklich tote Hose. Da hats nur verschlafene Bauernhöfe, aber auch idyllische Meeresbuchten, wo immer wieder kleine Boote festgemacht sind. Da kann man einfach nur schauen und geniessen. In Geta selber hats einen K-Supermarkt, damit hat sichs. Kein Restaurant.
Mit dem Navi findet man jetzt eine gute Abkürzungsroute Richtung Eckerö. Man folgt also eine gewisse Zeit keine der vier nummerierten Hauptstrassen der Insel mehr. Das
macht aber gar nichts, diese sind eben so gut ausgebaut. Als Bonbon findet sich auf halbem Wege ein kleines Strassenschild zu einem Aussichtspunkt, nachdem man bei einer schönen Kirche vorbei gefahren ist. Da ich sowieso alleine auf dieser Route am Fahren war, kurzerhand eine Vollbremsung wert. Ein paar hundert Meter das Ende des Fahrweges mit einem weiteren Schild zum Fussweg mit nunmehr einer Längenangabe vom 1000m. Meine Neugier war geweckt. Na gut, das war wohl etwas weiter, doch alsbald machte sich ein mit Holztreppen begehbarer Hochstand bemerkbar. Und wirklich, von hier oben konnte man ganz schön weit sehen.
Mit Google findet man mit Eckerö natürlich als erstes das Post- und Zollhaus, samt Café. Letzteres zeigt für haus gemachte Pralinen spezialisiert. Also hatte ich mich für überteuerten Filterkaffee und tangige Plunder eingestellt. Zum Glück weit gefehlt. Die Café-Besitzerin zeigte sich Ideenreich und servierte Kaffee mit Vanillearoma. Die Stückchen gabs auch mit Zimtgeschmack, das ganze für einen akzeptablen Preis. Der Fähranleger selber war wenig spektakulär, zumal gerade keine Fähre zugegen. Das Fischereimuseum nebenan, wers mag kann ja rein gehen. Der Ort Bergholm selber besteht aus einem neugebauten, für skandinavische Verhältnisse eher kleinen Kreisverkehr. Zu erwähnen noch das Restaurant mit der grossen Fahne mit Text "Graceland". Bereits in Mariehamn machen die Werbung mit ihrem Elvis-Imitator. Hier könnte man sich den also anhören. Also fahren wir mal kurz noch ein bisschen in Richtung Norden weiter. Unweit kommen schöne Badestrände und hier ist endlich auch was los - es hat Leute!
Die Rückfahrt dann etwas weniger spektakulär. Trotz einigen Abstechern auf Nebenstrassen, gab es nichts weiter heraus stechendes. Den Flughafen habe ich mir auch noch kurz angeschaut. Er ist so klein, dass man wirklich gleich neben dem Tower parkieren kann. Aus der gelandeten Propellermaschine steigen drei Schlipsträger aus. Der Pilot macht eine fiese Miene, also stelle ich die Videokamera aus. Nachtessen nochmals kurz im La Strada - diesmal stilecht Pizza Quattro Stagione.
2. Juni 2008 Mariehamn
Heute will ichs mir gemütlich nehmen. Gehe also kurz nach acht zum Frühstück, wo sich eine Hand voll jugendlicher Finnen breit gemacht haben. Zum zweiten Mal sehe ich auch einen anderen Einzelgast, den ich bereits am Vortag als Deutschen ausgemacht hatte. Wir kommen so ins Gespräch und tauschen wissenswertes über die Umgebung aus. Er trifft hier einen ausgewanderten Bekannten und will mit ihm heute mittels des Stadtbusses Mariehamn erkunden. Ich mache mich anschliessend zu Fuss auf und will mir das Südende der Stadt weiter anschauen. Würde morgens die Sonne im Westen aufgehen, hätte ich immer lange dunkel, weil die Viking Cinderella mir das Licht vorm Fenster nimmt. Der Fähranleger ist somit gleich Startort für meine Südumrundung. Weiter runter ist die Küste plötzlich ein Felshang. Diesen steige ich an einer flachen Stelle hinauf und erreiche den perfekten Punkt für "Boat Spotting". Die Ergebnisse sind wiederum in der Galerie zu bewundern.
Ich schlendere also weiter gen Süden und finde mal einen Fischerhafen, mal gemütliche Quartiersträsschen, mal Villenviertel und auch kiesige Waldwegchen. Die Gegend hier zieht sich wirklich in die Weite. An der Ostseite wieder hoch komme ich an Stellen mit Ried und Badestränden vorbei. Letztere sind natürlich noch nicht bevölkert. Auch der Campingplatz liegt hier und ist mit wenigen Wohnwagen belegt. Nun erreiche ich den Punkt wieder, wo ich vorgestern den Süden mit der Halbinsel beendet hatte. Von hier zur Einkaufpromenade ists nicht mehr weit. Das ist auch gut so, langsam macht sich ein Hüngerchen breit. Åland hat bekanntlich alles von Finnland und so ziehe ich mir einen bereits bekannten Hesburger mit Fritten und Cola rein - ausnahmsweise.
Jetzt steuere ich Richtung Zimmer zurück und will einbiegen, als ich gleich die Silja ablegen sehe. Der renne ich zwar noch hinterher, sehe aber bloss noch das Heck. Dafür kommen von weit her, ihrer roten Farbe wegen gut erkennbar, zwei Viking angefahren. So bleibe ich also noch ein bisschen, steige wieder auf die Felsen, um optimale Bilder zu erhalten.
Übrigens scheint das mit dem Salatbuffet auch im La Strada in der Fussgängerzone so zu sein. Allerdings hatte ich diesmal Spaghetti Carbonara bestellt und wusste nicht, dass es so viel geben wird.
1. Juni 2008 Föglö
Da hatte ich mir was Stressiges vorgenommen. Wenn die sagen, es gäbe Frühstück um acht Uhr, dann sicherlich nicht davor. Und danach bis 10.00 Uhr die Fähre in Längnäs erreichen - unmöglich. Mir wurde auch erst anschliessend bewusst, dass die halb Elf-Fähre in Svinö auch noch genug euphorisch war. Es ist doch ziemlich hügelig auf den Landstrassen Ålands und der Wind blies mir feste entgegen. Doch habe ich sie erreicht. Das waren knapp 30km. Auf der Insel Föglö dann allerdings enttäuschend, dass wirklich alle Bürgersteige hochklappt waren. Gut, es ist Sonntag, aber kein einziges Café machte vor Mittag auf. Hätte ich darauf gewartet, wäre für zwei Stunden keine Fähre mehr gefahren. Auch die obere ging bloss 16.40 Uhr zurück. Was hätte ich in der Zwischenzeit zu tun? Weiter biken? Mir tat bereits der Allerwerteste etwas weh und im rechten Knie merkte ichs bei jedem Tritt in die Pedalen auch. Schliesslich musste ich ja den ganzen Weg zurück. So bin ich also vielleicht gerade mal einen Kilometer auf der Insel entlang gedümpelt. Es hatte nette Michel-Höfe und ganz kleine Örtchen. Damit hatte es sich dann aber.
Auf dem Rückweg nahm ich es dann wirklich gemütlich. Inzwischen war meine Wasserflasche leer und ich holte mir an der Tanke eine neue. Bereits von Kristiansand in Norwegen kennen wir die Preise. Diese kostete stolze EUR 2.90! Aber es war wirklich nichts anderes offen. Endlich zurück wollte ich mir ein anständiges Znacht gönnen. Schliesslich hatte ich unterwegs nur Kekse geknabbert, die sich in meinem Rucksack wohl fühlen. Ich steuere also um die Ecke zum Hotel und denke mir, das wird ganz bestimmt teuer, wenn es denn auch satt macht. Da lese ich das Menü und sehe bloss Pizza zu wirklich ganz anständigen Preisen. Kann man ja mal probieren und sonst immer noch woanders ein Dessert einnehmen. Ich komme also rein und es sieht drinnen wie im Pub aus. Auf drei Fernsehgeräten läuft Schweden gegen Kroatien wars glaub. Da stehe ich am Tresen und bestelle. Niemand interessiert sich für das Match. Es fahren bloss Leute vor und holen sich Pizza in Schachteln. Als ich die nicht mal zwanzig Euronen für Pizza und Getränk rüber schiebe, sagt die Strohblondine hinter der Theke, dass ich mich am Salatbüffet bedienen soll, bis die Hauptmahlzeit bereit sei. Ich staune nicht schlecht und beige den Teller mit den wenigen, aber nicht schlechten Zutaten voll. Falls ihr also auch mal in Mariehamn seid, euch nach Italien-Pfannkuchen ist und ihr vom Fähranleger der Viking nach oben blickt, ist es gleich das erste Hotel Adlon.
31. Mai 2008 Mariehamn
Wieder mal früh aufstehen. Um neun Uhr geht die Viking-Fähre von Kapellskär nach Mariehamn auf Åland. Dass man dazu bereits um 8.05 Uhr in Norrtälje am Busterminal bereitstehen muss, will gelernt sein. Dachte ich mir, das Frühstück kann man auch auf der Fähre noch einnehmen. Doch zum ersten Mal sollte tatsächlich ein Bed&Breakfast dem Namen gerecht werden. Bereits kurz vor halb acht hörte ich Geschirr klimpern. Da musste jemand gehört haben, dass ich bereits auf war. Voilà, ein perfektes Frühstück für eine Person. Ich war tatsächlich der einzige Gast. Ein Vorteil, der sich auch am Abend zeigen sollte.
Zunächst aber die etwas langweilige Busfahrt nach Kapellskär. Dort haben sich massenhaft Leute für die Butterfahrt am Fährterminal eingefunden. Diese wurden gerade auf die M/S Rosella verfrachtet. Die kleinere Ålandsfärjan ist in Mariehamn festgemacht. Kann sie sich dem Ansturm nicht mehr alleine gewachsen zeigen. An Bord klingelt bereits eine halbe Stunde vor Ankunft "FI Sonera" durch und fragt höflich, ob ich denn mein Mobiltelefon nicht um eine Stunde vorstellen möchte. Dem ist natürlich nichts entgegen zu wenden. Wie die Ausfahrt aus den nördlichen Schären ist auch die Einfahrt in die Ålandsschären ein göttliches Erlebnis, das man mit keinem Film so richtig wird durch geben können. Viking findet das so toll, dass sie allerdings keine Einzel-, sondern bloss Rückfahrtskarten nach Kapellskär verkauft. Für umgerechnet ca. CHF 12.- aber auch kein riesen Problem. Die Fahrt dauert zwei Stunden (mit der Ålandsfärjan wären es zweieinhalb). Webcam
Mariehamn ist doch etwas grossflächiger zu erkunden als Norrtälje tags zuvor. Es ragt als riesige Landzunge südlich in die baltische See. Westlich ist der Fährenhafen. Unweit davon habe ich mich in ein Gästhem einquartiert. Dann gehts los, die Stadt erkunden. Obligat vorbei am Turistenbüro, mich mit allem Wissenswerten einzudecken. Dann durch die Gågatan schlendern, Leute sitzen in unzähligen Strassen-Cafés. Rechts weg durch die Gasse und was sehe ich da? Da ist schon wieder eine kleine, nette Bäckerei! Doch halt, nicht schon wieder so süsses Zeugs. Die verkaufen zum Glück auch tolle Sandwiches. Qualität wie bei Mövenpick, Preis wie normales Restaurant-Sandwich in der Schweiz.
Jetzt gilt es den Osthafen zu erkunden. Dort gibts, man ahnt es, eine vorgelagerte Insel "Lilla Holmen". Sie ist oben, mittig und unten mit je einer Brücke an die Hauptinsel "getackert". Ich marschiere weiter. Da kommt mir in den Sinn: Ich wollte doch den Fahrradverleih anschauen. Davon gibts auf beiden Seiten Mariehamns eine Filiale - beide zu. Ost offen von 11-12h, super. West ist bloss eine Scheune ohne Öffnungszeiten. Ich entschliesse mich, am Montag nochmals vorbei zu schauen und sonntags eher mit dem Bus wohin zu fahren. Åland hat ein halbes Dutzend Buslinien auf der Hauptinsel und allem, was daran über Brücken erreichbar ist. Wie sich allerdings später heraus stellen sollte, ein am Sonntag unlogisches Vorhaben. Es fährt in jede Richtung nur jeweils ein Bus raus und unmittelbar wieder zurück. Das würde sich nicht lohnen. Jetzt weiss ich, warum der gute Michel vom Kathulthof in Småland den Alfred mit Pferd und Wagen transportiert hatte. Kein Bus, kein Drahtesel - das würde aber einen faden Sonntag geben.
Ich watschle noch etwas an der Westseite rum. Am Fährhafen nochmals vorbei aber weiter hoch nördlich. Da liegt die Pommern, eine alte Kriegsfregatte, zum Museum umfunktioniert. Hier erfahre ich auch, dass die tags zuvor gesehene "Norrtelje" in Norrtälje tatsächlich mal die Schärenroute nach Finnland fuhr. Das war bestimmt abenteuerlich.
Das Stadthaus von Mariehamn liegt mittig auf einem Hügel. Westlich bestieg ich nun einen Hügel, der als Aussichtspunkt auf dem Stadtplan markiert ist. Das wars wert: Hier hat man wirklich einen interessanten Rundblick. Nur die vielen Bäume nehmen etwas die Sicht. Auf dem Navigationsturm würde man sicher mehr sehen. Gleich südlich davon ist ja auch die technische Hochschule von Åland. Hier wird unter anderem eben das Navigieren gelehrt. Wer mich verfolgt hat, weiss, dass ich immer mal auf der Webcam von ha.ax zu sehen gewesen sein muss. ;-)
Zurück von meiner Stadtrundwanderung und dem Abendessen im Restaurant gleich neben der Bäckerei vom Mittag, erzähle ich dem Besitzer des Gästeheims von meinem Misserfolg beim Fahrradmieten. Ich sags euch gleich: Es hat Vorteile, ausserhalb der Saison zu reisen. Er schlägt vor, dass ich doch einfach seinen Drahtesel nehmen soll. Der hat doch immerhin sieben Gänge mit Nabenschaltung und Rücktritt, geht aber schon als Streetbike durch. - Einziger Wermutstropfen, er will den gleichen Preis wie der Vermieter genommen hätte: EUR 12.-/Tag. Ich schlage trotzdem ein.
30. Mai 2008 Norrtälje
Mit dem Bus reists sichs durch Schweden. Von Vaxholm nach Norrtälje muss man zwei Linien nehmen. Verbunden sind diese an der Autobahn. Hätte mir die Dame im Turistenbüro in Vaxholm nicht gesagt, dass Norrtälje nicht bloss eine Stadt sei, wäre ich gar nicht erst hin gefahren. Aber es ist tatsächlich einen kleinen Aufenthalt wert, wie die Fotos zeigen. Im Osten kann man über eine Brücke auf ein kleines Inselchen hüpfen und locker in einer halben Stunde umwandern. Die Altstadt im Zentrum ist wirklich sehenswert. Sie bietet auch eine umfangreiche Fussgängerzone mit netten Geschäften im Schwedenstil.
Heute steigt ein grosses Fest. Da will ich auch noch hin. Irgendeine Schwedische Persönlichkeit soll heiraten, und so konnte ich morgens gleich die letzte Übernachtungsgelegenheit in einem B&B ergattern. Hotels keine Chance. Muss noch heraus finden, wer da wirklich heiratet. Soviel vorweg, es sollen keine Royals sein.
Im Westen liegt der Lommarensee. Norrtälje liegt etwas im Landesinneren, aber das Wasser kommt über Kanäle von weiter innen liegenden Seen bis zum Hafen und läuft über einen Sund ins Meer. Rund um den See hats Naturschutzgebiete, die ich auch abgewackelt bin. Keine Angst, so weit wie gestern bin ich aber nicht gegangen.
Im Zentrum gibts auch einen Ausblickshügel mit eigenem Bergstugan. Das ist ein Restaurant, was ganz nett aussieht. Nur habe ich heute wohl nicht den Hunger dazu. Schliesslich habe ich zu Mittag eine wirklich nette Bäckerei gefunden, die wirklich feine Sachen hat. Nicht bloss so pappiges Zeugs. Seht euch die Fotos an!
Ein richtiges Volksfest, wie wir es vor zwei Jahren schon mal unterwegs in Norwegen vorgefunden hatten. Da und dort Einheimische mit Tracht, ein paar Männer spielen Akkordeon. Der ortliche Linedancer-Verein hüpft, die Feuerwehr zeigt ihren Rüstwagen offen und verteilt Plastikhelme an die kleinen Grisus mit blonden Haaren. Und das alles draussen in der Fussgängerzone. Es ist schliesslich lange hell genug und warm, aussergewöhnlich warm. Zurück in meinem Zimmer zeigte das Thermometer, trotz offenem Fenster, noch immer 24°C. Das kann fast nicht sein. Schliesslich weht abends immer eine kühle Brise.
29. Mai 2008 Bogesundslandet
Südlich und Westlich von Vaxholm liegt Bogesundslandet mit dem von weit her sichtbaren Bogesunds Slott. Diese ganze Insel ist ein riesen Wandergebiet. Nicht mal einen Drittel bis zum Schloss habe ich heute Vormittag mal erkundet.
Am Nachmittag hiess es erstmal etwas ausruhen. Bei dieser Hitze mit 24°C macht ein Aufenthalt am Schatten zwischendurch auch mal Sinn. So kann ich doch ein paar Sachen hier veröffentlichen und die Reise weiter planen. Zwischendurch mal wieder kurz an den Hafen und so die nächste Überraschung: Ein Rettungshubschrauber landet mir fast auf dem Kopf. Die waren nicht mal wegen eines Notfalles gekommen. Nur so zum Transport. Keine Polizeiabsperrung, ältere Leute rannten davon. Hier die Breaking News: Video
28. Mai 2008 Vaxholm
Heute hiess es sehr früh, Abschied von Möja zu nehmen. Bereits um 6.40 Uhr fuhr das MS Vädö von Waxholmsbolaget Berg an. Einen späteren Kurs am Nachmittag wollte ich nicht abwarten, musste ja schliesslich eine Übernachtungsstätte suchen. In Vaxholm hiess es zunächst bis 11.00 Uhr warten, bis das Turistenbüro öffnete. Im teuren Waxholmshotell wollte ich nicht nächtigen und so konnte man mich privat vermitteln.
Den Nachmittag habe ich also die Insel umwandert - beinahe. Ganz zum Westen hinaus reichte es dann doch nicht. Aber dafür hatte man den Berich zum Norden hin weglassen können. Und ja: In Vaxholm hats tatsächlich eine Bäckerei - und die hat auch offen.
27. Mai 2008 Möja
Lennart gab mir ein Fahrrad. Mit diesem (Galerie) wollte und konnte ich alle Strässchen der Insel erkunden. Bald entdeckte ich einen Wegweiser "Bad" und schmiss also den Drahtesel in den Wald. Die letzten 20min musste ich zu Fuss ans Südwestende unternehmen. Ein Fussmarsch, der sich wirklich lohnte - der Blick auf Södra Möja und die abgrenzende Fahrtrinne die Aufwändung auf jeden Fall Wert.
Am Nordostende war der Anleger der nördlichen Bootsoute Nr 12. Es wäre natürlich interessant gewesen, von hier den Weg nach Vaxholm zurück zu nehmen. Jedoch wollte ich keineswegs mein gesamtes Gepäck von Berg die ganzen 4km hoch bis Långvik schleppen.
26. Mai 2008 Anreise
Mit der SAS etwas spät angekommen (der deutsche Sitznachbar war etwas unzufrieden) gehts weiter mit dem Flybussarna. Ein Gelenkbus, der mich einiges günstiger in die Stockholmer Innenstadt befördert. Vom Hauptbahnhof "Centralen" zu Fuss nach Riddarholmen, um kurz ein Salatsandwich zu schlucken. Auf dem Flug gabs ja schliesslich nichts. Dann schnell durch ganz Gamla Stan gerannt nach Slussen auf den Bus nach Sollenkroka. Das war eine lange Fahrt, aber über viele Brücken an wunderschönen Buchten, die mit Bootsanleger der Stockholmer zugezimmert sind.
In Sollenkroka wartete bereits das Schnellboot (vgl. Galerie). Dieses fetzte richtiggehend durch die Schären und so war man in nur 45min auf Möja. Diese Insel gehört doch schon zu den äusseren Schären und ist im Fahrplan von zwei Linien der Waxholmsbolaget an mehreren Anlegern erreichbar. Nur die Bäckerei war ein Beschiss. Diese war nämlich eine Baustelle und Lennart, der Besitzer, hatte alle Hände voll zu tun damit.
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